Das Dialogprojekt

"Laß mich bitte zu Ende dazwischenreden!"










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Der Dialog im Iran
Der Dialog im Iran, 1. Phase (September 2005)
Die Notwendigkeit des Dialogs – zwei Gespräche (Teheran, September 2005)
Presseberichte zu unserem Dialog-Projekt im Iran, 1. Phase (September 2006)

 

10.02.06
Der Dialog im Iran
 
Das Dialogprojekt im Iran
 
Unser Dialogprojekt im Iran strebt auf Wunsch der iranischen Initiatoren an, den Dialogprozess als Kern einer zivilgesellschaftlichen Weiterentwicklung etwa im dortigen Bildungswesen zu verankern (siehe hierzu die Berichte unter „Aktuell“).
 
Hierzu fanden sich in der ersten Seminarreihe im September 2005 im Teheraner Imam-Ali-Museum mehr als 20 Teilnehmende – überwiegend Multiplikatoren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen – zusammen, die anhand von Übungen mit wesentlichen Zielen und Inhalten des Dialog-Verfahrens vertraut gemacht wurden.
 
Im zweiten Teil (Februar 2006), ebenfalls in Teheran, geht es darum, die Teilnehmenden dazu zu befähigen, Dialoggruppen zu begleiten. Dies soll durch Übungen zur Dialogpraxis und zur Persönlichkeitsentwicklung erreicht und in der „Facilitator-Werkstatt“ angewendet und vertieft werden.
 
In dem Dialog-Pilotprojekt sehen wir auch und gerade in der gegenwärtigen politischen Situation eine Chance, längerfristig zu gewaltfreien Lösungen beizutragen, die kurzfristig durch andere Verfahren wie zum Beispiel durch Mediation angestrebt werden könnten.
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27.10.05
Der Dialog im Iran, 1. Phase (September 2005)
Das Dialogprojekt im Iran
 
Mit Unterstützung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und der Imam-Musa-Sadr-Stiftung wurde im August 2005 in Teheran ein Dialog-Pilot-Projekt durchgeführt. In einem 5-tägigen Workshop nahmen 20 neugierige und aufgeschlossene Teilnehmende aus dem Iran die Gelegenheit wahr, sich mit dem Dialogverfahren vertraut zu machen. Die Gruppe wurde zum Schluss vom ehemaligen Staatspräsidenten des Iran, Seyyed Mohammad Khatami, empfangen. Dabei überreichte Johannes F. Hartkemeyer Mohammad Khatami ein fast noch druckfrisches Exemplar des Buches „Die Kunst des Dialogs – Kreative Kommunikation entdecken“. Die Bilder zeigen einen Blick in das "International Centre for the Dialogue among Civilizations" (ICDAC) mit seinem Leiter und Fatemeh Sadr-Tabatabai, die das Dialog-Projekt in Teheran organisiert und betreut hat, eine Dialogrunde, eine Pinwand sowie die Buchübergabe.


Dialog im Iran Dialog im Iran
  Dialog im Iran

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11.02.06
Die Notwendigkeit des Dialogs – zwei Gespräche (Teheran, September 2005)
Mohammad Kathami (Expräsident des Iran) und Dr. Moghaddam (Immam Khomeini Stiftung) über die Notwendigkeit des Dialogs – zwei Gespräche mit Johannes F. Hartkemeyer (Teheran, Sept. 2005)
„Ich sehe keine Alternative zum Dialog“ – Gespräch mit Mohammad Khatami
 
 
Mit großem Engagement wollte Mohammad Khatami in seinen zwei Amtsperioden als iranischer Präsident die Reform der Zivilgesellschaft voranbringen. In einem komplexen iranischen Machtsystem hatte er dabei enorme innenpolitische Hürden zu überwinden. Im Auftrag der Vereinten Nationen befasst sich Khatami derzeit mit dem Aufbau einer Stiftung, die sich mit der praktischen Umsetzung des Dialogs zwischen den Kulturen befassen soll.
 
 
Hartkemeyer: Herr Khatami, der Dialog war für Sie in Ihrer Amtszeit ein bestimmendes Motiv. Doch scheinbar hat sich in der Welt der Kultur und der Politik eher das Gegenteil entwickelt?
 
Khatami: Ich freue mich, dass Sie im Bereich des Dialogs eine systematische Zusammenarbeit mit dem Iran eingeleitet haben und dass dieser Ansatz im Zusammenhang mit dem „Dialog zwischen Kulturen“ steht. Ich sehe das Verhältnis Ihrer Arbeit zu unserem Ansatz wie das zwischen Logik und Philosophie. Sie sprechen einerseits von der Technik des Dialogs und auf der anderen Seite geht es um den Inhalt.
 
Warum ist der Dialog zwischen den Kulturen so bedeutungsvoll für Sie?
 
Er ist deshalb von Bedeutung, weil dadurch der Kampf zwischen den Kulturen entschärft wird. Die Tatsache Ihrer praktischen Dialogarbeit im Iran ist ein positives Beispiel dafür , dass er auch konkrete Auswirkungen hat und keine rein philosophische Theorie bleibt.
Es darf nicht sein, dass Huntington mit seiner These des „Clash of Civilizations“ recht behält. Natürlich haben wir uns immer auch mit der Last der Geschichte auseinander zu setzen.
      Huntingtons Denken widerspiegelt aus meiner Sicht die Lage im 18. und 19. Jahrhundert. De westliche Welt sah sich als die alternativlose moderne Zivilisation. Dazu kamen massive ökonomische Interessen und diese gipfelten im Imperialismus. Die Allgemeingültigkeit dieser Denkform wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den Marxismus in Frage gestellt. Während wir im 18. und 19. Jahrhundert die Alleinherrschaft der westlichen Welt sahen, können wir im 20. Jahrhundert vom Zeitalter der Selbstbehauptung der Kulturen sprechen.
 
Was bedeutet die These des Kampfes zwischen den Kulturen für Sie?
 
Davon können wir nur sprechen, wenn wir die Möglichkeit des Zusammenlebens mit anderen negieren. Die Idee Huntingtons ist für mich der Versuch, die Alleinherrschaft der westlichen Zivilisation wieder herzustellen. Und Fukuyma liefert mit seiner These vom „Ende der Geschichte“ den theoretischen Überbau. Danach ist die Liberaldemokratie die höchste und vollkommenste Form der Gesellschaft. Die US-amerikanische Gesellschaftsform ist das anzustrebende Ideal, das die anderen Völker akzeptieren sollen. Die Ideologie der amerikanischen Neo-Konservativen basiert auf dem Glauben, sie hätten den Auftrag, anderen Kulturen ihr Modell und ihre Werte aufzuzwingen, wenn nötig, mit Gewalt.
 
Was ist die Alternative?
 
Wir schlagen den „Dialog der Kulturen“ vor. Denn wir gehen davon aus, dass es andere Wege des Zusammenlebens geben muss als Kampf und Gewaltanwendung.
Dazu gehört, dass die Beteiligten sich nicht als alleingültige Träger der absoluten Wahrheit betrachten, sondern dass sie bereit sind, durch den Dialog etwas Gemeinsames zu finden.
 
Wer aber vertritt die westliche Kultur oder die islamische Welt, wenn Sie von einem Dialog zwischen beiden reden?
 
Es gibt in der islamischen Welt eine Minderheit, die im Hinblick auf Traditionen von Äußerlichkeiten geprägt sind. Darunter gibt es auch Gruppen, die jede Art von Erneuerung ablehnen, so die Terroristen.
 
Der Terrorismus wird aber doch getragen von der Haltung „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns?“
 
Basierend auf diesem Grundsatz rechtfertigt man jede Gewaltanwendung gegen jeden, der „nicht mit uns ist“ und erlaubt uns ihn zu eliminieren. Dies ist der gemeinsame Nenner zwischen den amerikanischen Neo-Konservativen in den USA und der Alkaida von Herrn Bin Laden.
      Wenn wir vom Dialog reden, so meinen wir, dass weder Herr Bin Laden die islamische Welt vertritt, noch die Neo-Konservativen in Amerika für die westliche Kultur und Zivilisationen spreche.
      Wie ich schon am Anfang erläuterte, basiert die heutige Krise in de Welt im aggressiven Verhältnis zwischen Völkern. Es ist in der Sichtweise verwurzelt, jeweils das absolute Recht und die Vollkommenheit allein für sich in Anspruch zu nehmen. Stattdessen versucht die Idee des Dialogs der Kulturen, die gleichberechtigte Annäherung und das friedliche Zusammenleben aller Beteiligten zu ermöglichen und somit die dazwischenliegenden Spannungen zu entschärfen.
      Über den Dialog kann man keinen Vertrag machen, wie über die Herstellung von Automobilen. Dialog ist ein Projekt, das die Menschheit aus einer großen Krise herausführen kann. Wenn wir die Weltlage verändern wollen, brauchen wir einen Paradigmenwechsel. Ich sehe zum Dialog zwischen den Kulturen keine Alternative.
 
 
 
„Wir müssen zuhören lernen“ – Gespräch mit Dr. Mogghaddam
 
 
Dr. Hartkemeyer: Was ist für Sie das Wichtigste am Dialog?
 
Dr. Moghaddam: Die wichtigste Qualität ist für mich das Zuhören. Das scheint einfach zu sein, aber es ist das Schwierigste. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, dass es um „Wahrheit“ geht.
 
Ist die Wahrheit für Sie denn teilbar?
 
Das nicht. Aber die Wahrheit ist größer als sie ein Einzelner verkörpern kann. es scheint eine Überschätzung zu sein, wenn wir uns persönlich im Besitz der Wahrheit wähnen. Das zerstört den Dialog.
 
Ist für Sie der Dialog zwischen den Glaubensrichtungen eine besondere Herausforderung?
 
Ich glaube schon. Denn Vertreter von Religionen scheinen sich besonders im Besitz der Wahrheit zu wähnen, obwohl das Hören in den heiligen Schriften eine besondere Rolle spielt. Ich denke an den Koran.
 
Auch in der Bibel steht geschrieben: „Wer Ohren hat zu hören, der höre.“ Hierbei ist die besondere Qualität des Zuhörens gemeint, wo man sich gegenseitig einen neuen gemeinsamen Bedeutungshorizont eröffnen kann.
 
Diese Qualität meine ich. Ich war Teilnehmer einer interreligiösen Konferenz, an der nicht nur die monotheistischen Religionen wie Islam, Christentum und Juden vertreten waren, sondern auch Buddhisten und andere. Der buddhistische Vertreter meinte: „Es ist schwierig miteinander ins Gespräch zu kommen, da Ihr euch doch als allein selig machende Religion versteht.“. Ich sagte daraufhin: „Es gibt so viele Wege zu Gott wie es Menschen gibt“. Er war verdutzt und fragte, ob das meine wirkiche Meinung sein. Als ich bejahte, stand er auf und umarmte und küsste mich.
 
Wo sehen Sie derzeit die größten Probleme im internationalen Dialog?
 
Ich bin tief betroffen, dass im Westen so viele Menschen den Islam in einem Atemzug mit dem Terrorismus nennen. Als wenn die derzeit größte Gefahr für die Menschheit von uns ausginge. Wir leiden darunter sehr. Ich kann nicht verstehen, wie dieses Bild, das früher vielleicht bei wenigen unterschwellig vorhanden war, ein solches Massenphänomen geworden ist. Natürlich gibt es im Islam Fanatiker so wie es sie auch bei Juden und Christen gibt, aber dieses Phänomen bereitet mir große Sorgen. ich bin deshalb sehr erfreut, dass Sie das Dialogprojekt in Persien unterstützen. Ich lade Sie ein, dies tatkräftig zu tun, weil Ihr Ansatz – soweit wir das material studiert haben – so praxisorientiert und konkret anwendbar ist. Ich glaube, wir müssen alle das Zuhören lernen. Das ist das wichtigste im Dialog.
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03.11.05
Presseberichte zu unserem Dialog-Projekt im Iran, 1. Phase (September 2006)
 Der Dialog ist unsere Hoffnung
 
Von Dr. Karsten Herrmann
 
 
Der»Kampf der Kulturen« (Huntington) scheint, wenn man die derzeitige Nachrichtenlage betrachtet, unausweichlich zu sein. Insbesondere das Verhältnis des Westens zu der islamischen Welt ist derzeit von wachsendem Misstrauen und unüberbrückbaren Gegensätzen geprägt. Vor allem der Iran ist in jüngster Zeit durch den Atomstreit und die neue Präsidentschaft kein Kandidat für positive Nachrichten. Vergessen ist, dass auf Initiative des ehemaligen Präsidenten Khatami die Vereinten Nationen das Jahr 2001 zum Jahr des »Dialogs der Weltkulturen« erklärten. Kaum wahrgenommen wurde die Gründung eines »International Center for Dialogue among Civilisations, (ICDAC), das sich dem Dialog zwischen den verschiedenen intellektuellen und kulturellen Strömungen des Westens und der islamischen Welt widmet. Literatur, die aus Poesie, Geschichte und Sozialwissenschaften Bezug zum dialogischen Denken bot, wurde in Farsi übersetzt und unter dem Logo dieses Instituts herausgegeben. Darunter auch das Buch »Miteinander denken ‑ das Geheimnis des Dialogs« von Dr. Johannes F. und Dr. MartinaHartkemeyer sowie Prof. Dr. L. Freeman Dhority. Es sollte eine ungeahnte Wirkung entfalten: Eine Anfrage aus Teheran, den Dialogansatz in der Praxis kennen zu lernen und für Multiplikatoren aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft zu trainieren, erreichte die Friedrich‑Ebert‑Stiftung in Berlin.
 
Was ist Dialog?
 
Im Dialogverständnis dieses Projektes zwischen den Kulturen geht es darum, den eigenen Annahmen, Vorurteilen und Glaubenssätzen sowie der Entstehung des eigenen Denkprozesses auf den Grund zu gehen. Es werden dialogische Kernfähigkeiten trainiert und ein Kreativitätsraum geschaffen, der gemeinsam zu neuen Ideen und Verhaltensalternativen führen kann. Die Theorie und Praxis dieses mittlerweile von verschiedenen Organisationen und Unternehmen in aller Welt angewandten Kommunikationsprozesses haben die Autoren in zwei praxisnahen Standardwerken entwickelt.
 
Dialog‑Seminar im Iran als Pilot‑Modell
 
Im September des vergangenen Jahres konnten Dr. Martina Hartkemeyer vom Institut für Dialogprozess‑Begleitung der Adolf- Reichwein-Gesellschaft und Dr. Johannes F. Hartkemeyer, Leiter der Volkshochschule Osnabrück, auf Einladung iranischer Initiatoren schließlich zu einem ersten Dialog‑Seminar nach Teheran aufbrechen. Mehr als 20 Frauen und Männer aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft, die diesen Ansatz als Multiplikatoren weiterführen wollen, bildeten sich in dialogorientierter Kommunikation fort, darunter auch die Gründerin der Frauenpartei Irans. Grundlegende dialogische Fähigkeiten ‑wie das Unterscheiden von Beobachtung und Bewertung, das Suspendieren festgefahrener Meinungen, Wechseln von Positionen in Konfliktfällen oder die Analyse misslungener Gespräche ‑ waren Gegenstand der gemeinsamen Übungen, Durchgeführt wurde das Seminar im symbolträchtigen lmam-Ali-Museum, das dem Gründer der schiitischen Religionsgemeinschaft gewidmet ist. Tatkräftige Unterstützung erfuhr die Dialog‑Initiative vor Ort auch durch die Moussa-Sadr-Stiftung, die im Nahen Osten zahlreiche Bildungs‑ und Sozialprogramme durchführt, wie etwa die Alphabetisierungin Flüchtlingslagern. Moussa Sadr war in den 70er Jahren in Libyen spurlos verschollen. Seine Tochter Hawra Sadr, Leiterin der Stiftung, nahm an dem Dialogseminar teil und ließ bereits einige in Osnabrück entwickelte Studienmaterialien in Farsi übersetzen. Sie will mit ihrer Stiftung helfen, diesen Dialog‑Ansatz im iranischen Bildungswesen zu verankern. Das Dialog‑Seminar in Teheran stellt die erste in einer Reihe von Trainingsmaßnahmen dir, die dazu dienen sollen, den Dialogprozess als Kern einer zivilgesellschaftlichen Weiterentwicklung im Iran zu verankern. Ohne Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung wäre die praktische Umsetzung der Arbeit im Iran nicht möglich geworden. Die Berliner Stiftung engagiert sich seit Jahren für die Verbesserung des inner- und interkulturellen Dialogs und fasst nach erfolgreichem Abschluss des Projektes die Herausgabe eines zweisprachigen Dialog-Handbuches ins Auge, das auch in anderen Ländern einsetzbar sein soll. Die Wertschätzung des Dialog‑Projekts im Iran stellte auch ein Empfang der Hartkemeyers durch Khatami unter Beweis. Bei dieser Gelegenheit überreichten sie dem populären Ex-Präsidenten auch ein Exemplar des gerade aktuell erschienenen neuen Dialog‑Buches »Die Kunst des Dialoges«, zu dem dieser einen Beitrag beigesteuert hatte. »Wir sind begeistert vom Engagement und der hohen Qualität der Gespräche«, so die Hartkemeyers. Die in Teheran gemachten Erfahrungen mit dem Dialogansatz zeigen, wie groß die Lernbereitschaft der Teilnehmerinnen ist. Zugleich bleibt es unverzichtbar, auch die eigenen Bilder der fremden Kultur immer wieder zu überprüfen. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, so etwa, dass man bei uns auch als Frau den Männern zur Begrüßung die Hand reicht, können im Iran ein Fauxpas sein. Auch die weibliche Kleidungskultur der Iranerinnen erscheint Europäern zunächst fremd. Aber gerade das Erkennen derartiger Unterschiede und das Aufdecken der gegenseitigen Vorurteile sind Grundlage jeder interkulturellen Verständigung, Mit ihrem Pilot‑Dialogprojekt im Iran hoffen die Hartkemeyers »wertvolle Impulse für eine friedliche Verständigung zwischen den Menschen und den Völkern gegeben zu haben« ‑ und so den »Krieg der Kulturen« doch noch zu verhindern.
 
Quelle: Die Volkhochschule, Osnabrück 2006, S. 10.
 
Bramscher Nachrichten, Freitag, 7. Oktober 2005
 
Bramscher Autoren zu Gast im Iran
Nicht nur der Expräsident wünscht Dialog

Als „hochintelligenten, sehr moderaten Mann“ haben Martina und Johannes Hart­kemeyer Mohammad Kha­tami kennen gelernt. Die Bramscher Fachleute für Kommunikation trafen den im August aus dem Amt geschiedenen iranischen Präsidenten bei einem Dia­logseminar in Teheran.
    „Die Kunst des Dialogs“ heißt das neue Buch des an der Grenze zu Wallenhorst wohnenden Ehepaars (sie­he zur Sache). Es ent­hält ein Gespräch mit Kha­tami unter dem Titel „Der Dialog ist der Weg der Vernunft“. Als iranischer Präsident hatte sich Khatami stets für den Dialog unter den Kul­turen eingesetzt.
    Die Kontakte zum Iran hat Martina Hartkemeyer als Leiterin des Instituts für Dialogprozess-Begleitung der Adolf-Reichwein-Gesell­schaft in Bramsche bei ei­nem Seminar am Bodensee geknüpft. Eine der Teil­nehmerinnen dort war Fa­temeh Sadr-Tabatabai. Sie entwickelte die Idee für ein Dialogsemi­nar in Teheran, für das sie möglichst aufge­schlossene und einflussreiche Teilneh­mer gewinnen wollte, um die Idee weiter zu verbrei­ten.
    Mit finanzieller Unter­stützung der Fried­rich-Ebert-Stiftung und der Musa-Sadr-Stiftung wurde die Idee nun verwirklicht. Im Imam-Ali-Muse­um in Teheran trafen die Hartkemeyers zwölf Frauen und acht Männer, um in einem fünftägigen Work­shop Möglichkeiten kreati­ver Kommunikation für eine „Kultur der Ermutigung“ zu besprechen und praktisch zu üben. „Sie waren total offen und interessiert“, fand Martina Hartkemeyer die Atmosphäre angenehm ent­spannt. Die Tatsache, dass zwischen Teilnehmern und Seminarleitern zwei Dol­metscher vermitteln muss­ten, habe zwar einer­seits zu Verzögerungen geführt, andererseits aber den an­gestrebten Prozess beflü­gelt. “Es hat sich ge­zeigt, dass die Technik der Ver­langsamung ein hilfrei­cher Ansatz ist“, nahm Martina Hartkemeyer die Überset­zung als praktische Dialog-Übung.
    Bei einem Empfang im internationalen Gästehaus hatte Johannes Hartke­meyer Gelegenheit, Mo­hammad Khatami ein Ex­emplar des neuen Buches zu überreichen. Dabei sei noch einmal deutlich ge­worden, dass Khatami „sehr betroffen“ darüber gewesen sei, dass das von ihm angeregte „Jahr des Dialogs der Kulturen“ 2001 unter dem Eindruck des Terroranschlages vom 11. September desselben Jah­res völlig in Vergessenheit geraten sei. „Ich denke, dass diese Katastrophe auch ein Ergebnis eines fehlenden Dialogs zwischen Kulturen und Religionen ist“, heißt es im Buch.
    Auch in Gesprächen mir anderen Iranern verspürten die Hartkemeyers Unver­ständnis darüber, dass im Westen die uralte Kultur Persiens kaum zur Kenntnis genommen und Islam vor­rangig mit Terror verbun­den werde.
    Die Besucher aus dem Osnabrücker Land regist­rierten zwar die vielerorts aufgemalten Parolen gegen Amerika und Israel, ebenso die Verherrlichung von Mär­tyrern. Sie wissen auch um die dogmatische Hal­tung weiter Teile der Geist­lich­keit und der Staatsfüh­rung. Sie registrierten aber auch, wie Rucksack-Tou­risten, gerade aus Deutsch­land, jeden Abend aufs Neue bei einer ande­ren Familien freundlich aufgenommen wurden. Und sie wäre keine Fachleute für Kommuni­kation, wenn sie nicht wüssten, dass Kon­fron­tation zu gar nichts führt; „Dieses `wer nicht für mich ist, ist gegen mich` ist ganz bestimmt der falsche Weg“, sagt Jo­hannes Hart­kemeyer.

 
Zur Sache: Die Kunst des Dialogs
 
„Miteinander denken: Das Geheimnis des Dialogs“, heißt der 1998 erschienene Erstling von Martina und Johannes Hartkemeyer zum Thema Dialog, der bereits in dritter Auflage erschienen ist. In „Die Kunst des Dialoges“ wird jetzt der Weg zu einer qualitativ anderen Kommunikationskultur weiter beschrieben: Dialog nicht als Rede und Gegenrede, son­dern als Raum für Begegnungen. Als Bemühen um gemeinsames Verstehen.
In zahlreichen Beispielen und Gesprächen wird aufgezeigt, wie vorbehaltloses, nicht bewertendes Zuhören, Respekt vor anderen Positionen, Offenheit in der eigenen Rede und die anderen der zehn Grundlagen des Dialogs zur Lösung von Konflikten in der großen Politik und der Gesellschaft, aber auch in der Familie und am Arbeitsplatz beitragen können.

Johannes F. und Martina Hartkemeyer: Die Kunst des Dialogs – Kreative Kommunikation entdecken, erschienen bei Klett Cotta, ISBN 3-608-94118-5, 28 Euro.
 
 
 
 
 
 
Osnabrück/Volkshochschule
 
Impulse für den internationalen Dialog
 
Osnabrücker stellen neues Buch vor.
 
Neue Impulse für die Verständigung im und mit dem Iran setzte jetzt ein Kooperationsprojekt der Volkshochschule der Stadt Osnabrück und der Adolf-Reichwein-Gesellschaft. Mit Unterstützung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung konnten die beiden Leiter der Einrichtungen, Dr. Johannes Hartkemeyer und Dr. Martina Hartkemeyer, ein Dialog-Pilotprojekt in Teheran durchführen.
    So nahmen über 20 Frauen und Männer aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen des Irans an einem Dialog-Seminar im symbolträchtigen Immam Ali-Museum teil ... Vermittelt und gemeinsam geübt wurden hier entsprechend eines an der VHS Osnabrück entwickelten Dialogverfahrens kommunikative Grundfähigkeiten wie die Unterscheidung von Beobachtung und Bewertung, das Suspendieren festgefahrener Meinungen und Denkmodelle oder auch der Perspektivwechsel in Konfliktfällen. Das Dialog-Seminar stellt einen ersten Baustein in einer Reihe von Maßnahmen dar, die den Dialog als Kern einer zivilgesellschaftlichen Entwicklung im Iran verankern sollen. Denn trotz Vorurteilen über den Iran als fundamentalistisches „Reich des Bösen“, trotz Schleier, Tschador und Scharia stießen die Hartkemeyers in Teheran auf „eine offene, sehr aufmerksame und respektvolle Gesprächsbereitschaft auch über interkulturelle Grenzen hinweg“.
Osnabrücker Sonntagszeitung, 9. Oktober 2005.
 
 
 
Khatami möchte Osnabrück besuchen
 
Osnabrück (eb) – Neue Impuls für die Verständigung im und mit dem Iran setzt ein Pilot-Projekt der OS-VHS und der Adolf-Reichwein-Gesellschaft: In Teheran stellten die Leiter der Einrichtungen, Dr. Johannes Hartkemeyer und Dr. Martina Hartkemeyer, in einem Workshop die Grundfähigkeiten des Dialogs vor und erprobten sie praktisch mit den 20 Teilnehmern ... „Ziel ist es, durch das Erkennen festgefahrener Meinungen oder eingefleischter Denkmodelle und durch den Perspektivwechsel in Konfliktsituationen zu einer wirklichen Verständigung zu kommen“, erläutert Hartkemeyer. Entgegen landläufiger Vorurteile über den Iran als fundamentalistisches „Reich des Bösen“, trotz Schleier, Tschador und Scharia stießen die Hartkemeyers in Teheran auf „eine offene, sehr aufmerksame und respektvolle Gesprächsbereitschaft auch über interkulturelle Grenzen hinweg“. Mit Hilfe der Friedrich-Ebert- und der Mussa-Sadr-Stiftung soll das in Osnabrück entwickelte Dialog-Verfahren im Iran nun weiter verbreitet werden. Unterstützung kommt dabei auch vom scheidenden Präsidenten Khatami, der als zukünftiger UNO-Beauftragter den interkulturellen Dialog fördern möchte. Bei einem Empfang überreichte Hartkemeyer Khatami auch das gerade erschienene Dialog-Buch „Die Kunst des Dialogs – Kreative Kommunikation entdecken. [Siehe das Bild unter „Aktuell“.] Bei dieser Gelegenheit bekundete er die Absicht, bei seinem nächsten Deutschlandbesuch auch Osnabrück zu besuchen, da von dieser Stadt „so bedeutende Impulse für den internationalen Dialog“ ausgingen.
 ON am Sonntag, 9. Oktober 2005,Osnabrück
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