
| Organisation |
Bereich |
Thema |
Jahr |
| Interkulturelle Bildung |
Modellprojekt zur Aus- und Fortbildung von Dialogmoderatoren | 2010 / 2009 | |
| ICP Institut für Konfliktbearbeitung und Friedensentwicklung |
Friedensbildung | Ausbildung zur Dialogprozess-Begleitung | 2010 / 2009 |
| Jugendamt Dortmund, Fachreferat Elternbildung |
Elternbildung Erziehung |
Dialog und Spiritualität | 2010 / 2009 |
| Tonhalle-Orchester Zürich |
Kunst | Die Kunst des Dialogs | 2009 / 2008 |
| Krischanitz & Nöbauer Organisationsberatung | Lernende Organisation |
Miteinander Denken | 2008 |
| Schweizer Fachverband der Geriatrie-, Rehabilitations- und Langzeitpflege | Soziales | Führungslehrgang | 2008 |
| Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast Vorarlberg / Österreich |
Lernende Organisation | Dialog und Emotionen | 2008 |
| Deutsche Gesellschaft für Coaching |
Lernende Organisation |
Workshop: Dialogische Ansätze im Coaching | 2008 |
D-WaldMichelbach |
Lernende Organisation | Einführung in den Dialog | 2008 |
| Freinet Kooperatiive.V. |
Erziehung | Sich mit Kindern verständigen |
2006 |
| Friedrich-Ebert-Stiftung |
Weiter- / Fortbildung |
Dialogprojekt im Iran: Ausbildung für Führungskräfte | 2006 / 2005 |
| Interkulturelle Bildung |
Dialog-Seminare für Moderatoren im Europäischen Projekt für interkulturelles Lernen (EPIL) | 20008 / 2007/2006 |
|
| Landeshauptstadt Dresden, Kindertages-einrichtungen |
Erziehung |
Mit Kindern im Dialog | 2006 |
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Medizin | Bewusstheit durch Begegnung | 2002 |
| Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie e.V. | Tiefenpsychologie | Dialog-Einführung | 2002 |
| Hanns-Lilje-Stiftung | Ökologie / Umwelt | Gentechnik in der Landwirtschaft | 2002 |
| Universität Witten / Herdecke ICCE |
Interkulturelle Bildung | Dialogue Project Namibia | 2001-2004 |
Die Volkshochschule Stadt Osnabrück |
Bildung |
Ausbildung zur Dialogprozess-Begleitung | seit 1999 |
Internationale ERICH FROMM Gesellschaft |
Psychologie Ökologie / Umwelt | Dialog-Workshop | 1996 |
| Deutsche Bundesstiftung Umwelt | Ökologie / Umwelt | Umweltkommunikation | 1990 / 1991 |
| Bundesverwaltungsamt Köln |
Politische Bildung | Ost-West-Integration und Dialog |
1987-1990 |
| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Pädagogische Hochschule Tirol |
Fortbildung | Dialogbegleitung nach dem Konzept "ELTERN STÄRKEN - Ermutigung zum Dialog (Zertifizierungskurs) | 2011 2010 |
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Weiterbildung | Weiterbildug zur Dialogbegleitung nach dem Konzept "ELTERN STÄRKEN - Ermutigung zum Dialog (Zertifizierungskurs) | 2010 |
| Imam Musa Sadr Culture & Research Institute, Teheran |
Aus- und Weiterbildung |
Dialogfähigkeit in der Elternbildung nach dem Konzept ELTERN STÄRKEN in Teheran
|
2010 2007 |
LandschaftsverbandRheinland |
Ausbidung | ELTERN STÄRKEN - Ausbildung zur Dialogprozess-Begleitung (Zertifizierungskurs | 2010 / 2009 |
Melanie Lindemann| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
Perspektivy |
Behinderten-Betreuung | Der St. Petersburg-Dialog | 2010 2009 2008 |
Ulrike Daldrup| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Arbeitswelt | Berufsfelddialoge |
2010 |
| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
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Frauen | Frauen als Unternehmerinnen | 2010 |
| Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg |
Frauen | Selbständigkeit | 2010 |
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Frauen | Gruppencoaching | 2010 |
Friedeborg Röcher |
Bildung | Kreative Kommunikation entdecken | 2008 |
| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
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Erziehung | Einführung in den Dialog |
2008 |
| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Interkultureller Dialog |
Dialogue in Namibia | 2004 - 2001 |
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| DaimlerChrysler | Interkulturelle Bildung |
Interkulturelles Training & Dialog |
2004 |
Dr. Christine Findeis-Dorn| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Johannes Gutenberg Universität Mainz |
Sozial-wissenschaften |
Der Offene Dialog - ein Weg zum kommunikativen Lernen |
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| Internationale Gesellschaft für Tiefenpsychologie |
Tiefenpsychologie | Die Kunst des Dialogs - würdigen statt werten | 2008 |
| Universität Bremen |
Sozial-wissenschaften |
Der Offene Dialog - ein Weg zum kommunikativen Lernen | |
| Carl von Ossietzky Universität Oldenburg |
Sozial-wissenschaften |
Der Offene Dialog - ein Weg zum kommunikativen Lernen |
Prof. Dr. Susanne Ehmer| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Universität Kassel |
Unternehmen | Praxis und Nutzen des Dialogs in Unternehmen (Dissertation) | 2004 - 2002 |
Dirk Scheffler| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Interdiszipli- näre Forschung |
Der Dialog zur interdiszi-plinären Verständigung in einem Sonderforschungs-bereich |
2004 |

| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| [Non Government Organization] |
Lernende Organisation |
Begleitung von Veränderungsprozessen | 2003 |
| Organisation | Bereich | Thema | Jahr |
| Deutsche Leasing |
Lernende Organisation | Einführung des Dialogs in ein Unternehmen |
2001 |
Zeige ich mich offen, ohne
mich darum zu sorgen, wie der
andere darauf reagiert, werden
einige sich angesprochen füh-
len, andere nicht. Aber wer
wird mich lieben, wenn keiner
mich kennt? Ich muß es wagen
oder allein leben.
Sheldon B. Kopp
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Der Quantenphysiker David Bohm verwendet den Begriff Dialog im ursprünglichen Wortsinn: „dia“ heißt „durch“ und „logos“ meint „das sinnvolle Wort“ im Sinne „Bedeutung“. Der Begriff meint also das Fließen von Sinn und das Erschließen von Bedeutung um und durch die Menschen. Der Dialog soll ermöglichen, den Voraussetzungen, Ideen, Annahmen, Überzeugungen und Gefühlen von Menschen auf den Grund zu gehen, die unterschwellig ihre Interaktionen beherrschen.
Der Dialog ist also weder Diskussion, Debatte noch Disput. Diskussionen haben die Tendenz, im Sinn der englischen Wortwurzel „percussion“ (Stoß, Schlag) oder „concussion“ (Erschütterung) Dinge zu zerreißen oder zu zergliedern, selbst wenn sie mit dem Ziel begonnen werden, Gemeinsamkeit herzustellen. Andererseits ist der Dialog auch keine harmonisierende schöngeistige Konversationsübung.
Es geht bei Dialog nicht darum, sich durchzusetzen, „Punkte zu machen“, rhetorisch zu brillieren und mit der eigenen Meinung zu „gewinnen“, sondern um einen Gewinn für alle Beteiligten durch neue Einsichten und Erkenntnisse in einem kreativen Feld.
Der Prozess des Dialogführens ist ein Mittel, um deutlich zu machen, wie unser Denken abläuft. Er geht davon aus, dass alle menschlichen Schöpfungen, unsere Wertesysteme, unser Verhalten, unsere Sprache, unsere Architektur, unsere gesamte Kultur und Technik, ja sogar das, was wir für unumstößliche Realität halten – nur Anzeichen davon sind, wie wir denken. Diese Annahme führt zu der Perspektive, dass wir, wenn wir die Grundlagen der heutigen Krisenerscheinungen wirklich erforschen wollen, die verschiedenen Ebenen des Denkens erforschen müssen.
Denken meint hier nicht nur die bewussten intellektuellen Ergebnisse bewusster Lernprozesse, sondern auch Emotionen, Gefühle, Wünsche, Absichten, Unterstellungen, Ängste. Auch das sogenannte rationale Denken ist hier gemeint, als Ergebnis vorausgegangener Denkprozesse, die die Realität in Paradigmen interpretiert und in Regeln gefasst hat. Es ist durch historische Begrenzungen bedingt sowie durch geschlechts-, macht- und kulturbedingte Traditionen eingefärbt.
(Die Grafik stammt von dem Salzburger Christian Tschepp - www.christian-tschepp.at - dem wir für die Wiedergabe-Erlaubnis herzlich danken.)
Hartkemeyer: Nein, aber es existiert ein Schlüssel für das Kommunikationsproblem. Dialog ist eine lehr- und erlernbare Disziplin. Dialog ist für mich ein Prozess des permanenten Hinterfragens unserer Annahmen. Gewöhnlich bleiben wir an der Oberfläche unserer Möglichkeiten und teilen uns nur Gedachtes mit. Das heißt, wir setzen entweder eigene Ansichten gegen gegnerische durch, oder wir kehren Probleme aus Höflichkeit unter den Teppich. So kommen wir kaum zu neuen Ideen. Hartkemeyer: Ein Beispiel aus der Produktion bei Ford: Dort stellten Manager fest, dass immer, wenn sich die Mitarbeiter eingestehen mussten, dass sie ihren Zeitplan für ein bestimmtes Projekt nicht einhalten konnten, ein bestimmter Prozess in Gang trat. Zugegebene Verzögerungen führten dazu, dass Senior-Manager intervenierten und über Bestrafungen, also Sanktionsmaßnahmen nachdachten, um das System zu kontrollieren. Das entmutigte die Ingenieure, absehbare Verzögerungen rechtzeitig einzugestehen, und führte dazu, dass in anderen Bereichen Verzögerungen auftraten, die hätten vermieden werden können. Im Dialog wurde allen klar, das dieses Interaktions-muster zum Gegenteil dessen führte, was sie wollten. Heute versuchen sie, ehrlicher und offener miteinander zu kommunizieren. Hartkemeyer: Erst mal muss der Wille da sein, für andere Meinungen offen zu sein. Das ist schon mal nicht einfach: Wir setzen uns ständig in Beziehung zu unserer Umwelt, bewerten unablässig: Ist das besser, schlechter, größer, kleiner, schöner, hässlicher? Eine endlose Folge von Bewertungsschritten begleiten uns Tag für Tag, und wir konstruieren daraus unsere Wirklichkeit. Um jedoch offen miteinander kommunizieren zu können, müssen wir unsere Bewertungen oder gar Urteile in der Schwebe halten. Wir müssen uns selbst zuhören und die Herkunft der Gedanken erforschen, um nicht Gefangener des eigenen begrenzten Weltbildes zu bleiben. Außerdem müssen die äußeren Rahmenbedingungen stimmen.
Süddeutsche Zeitung: Personalverantwortliche, Manager, Schulreformer klagen, dass mangelnde Kommunikations-fähigkeit das größte Hindernis bei der Schaffung lernender Unternehmen und Organisationen sei. Sie haben nun ein Buch über den Dialog geschrieben: „Miteinander denken - das Geheimnis des Dialogs“. Wollen Sie behaupten, es gäbe eine Patentlösung?
SZ: Verantwortliche müssen Entscheidungen treffen. Wollen Sie alle möglichen Sichtweisen gelten lassen?
Hartkemeyer: Ja. Das klingt vielleicht paradox. Wenn sie aber akzeptieren können, dass der andere seine Meinung hat und weder versuchen, dessen Meinung oder ihre eigene Meinung zu ändern, verändert sich die Kommunikation.
SZ: Das ist klar. Aber es geht doch um die Frage: Wie kann etwas Gemeinsames gefunden werden?
SZ: Das hört sich gut an. Doch wie bringt man Menschen dazu, ehrlicher und offener miteinander zu kommunizieren?
SZ: Inwiefern?
Hartkemeyer: William Isaacs, Leiter des Dialog-Projektes am Massachusetts Institute of Technology sagte einmal: No container, no dialogue. Das heißt, es ist wichtig, dass die Dialogteilnehmer einen gemeinsamen Vertrauensraum schaffen. Ein Dialog lebt von Gegensätzen, Intensität und Kühe, Höhen und Tiefen. Diese Stimmungen müssen die Teilnehmer aushalten, und da ist der Baum sehr wichtig. Außerdem ist es sinnvoll, dass ein „Facilitator“ den Prozess begleitet. Seine Aufgabe ist es, den Teilnehmern klar zu machen, um was es geht: nämlich um das Erlernen, einen Dialog zu führen. Sonst verfallen die Teilnehmer in eine Diskussion, wollen schnell Entscheidungen treffen, Probleme lösen.
SZ: Welche Praxisfelder für den Dialog als Methode haben sie erkundet?
Hartkemeyer: In Kansas bei einem Stahlunternhmen, das sich in einer existenziellen Krise befand, wurde der Dialog zwischen dem Management und der Gewerkschaft eingesetzt. Das Unternehmen ist heute saniert. Ein weiterer Projektstandort war Grand Junction in Colorado, wo die Verantwortlichen des Gesundheitswesens besser zusammen arbeiten sollten. Dieses Experiment ist jetzt Vorbild für das National Healthcare Forum. In Boston suchte man mit Verantwortlichen der Stadtverwaltung nach Wegen, um den Problemen einer multikulturellen Gesellschaft zu begegnen. Interessant ist auch, dass der amerikanische Kongress versucht hat, mit einer großen Anzahl von Abgeordneten in eine Wochenendklausur zu gehen und Dialog zu lernen. Auch sie sind es leid, sich nur Schlammschlachten zu liefern. Hartkemeyer: Wir haben Beispiele aus Kirgisien, Hawaii und Israel. Wichtig ist uns aber auch, den Dialog im prakti-schen Alltag zu zeigen. Beispiel Schule. Unsere Erziehung vermittelt immer noch: Wissen ist wichtig, und Fehler sind ein Problem. Wir vergessen, wie wir über einen Fehler- und Suchprozess laufen und sprechen gelernt haben. Und wir übersehen, daß nur eine Haltung des offenen Lernens Kreativität bedeutet. Was will ein Wissender schon noch lernen?
SZ: Haben Sie Erfahrungen in anderen Kulturen?
Viele Menschen sind unfähig, ehrlich und offen miteinander zu reden / Ein Plädoyer für eine neue Gesprächskultur
Von Horst Siebert
Der Dialog ist ein zentrales Thema der abendländischen Philosophie. Von Sokrates bis Martin Buber, von Gadamer bis Habermas. Der Dialog ist nicht lediglich eine Kommunikationsform, sondern er gehört zum Wesen menschlicher Identität und des gesellschaftlichen Miteinanders. Im Gespräch mit anderen kommen wir zu uns selbst, entwickeln wir unser Selbstbewusstsein, erleben wir unsere Zugehörigkeit zu einer Verständigungsgemeinschaft, erzeugen wir eine Welt, die wir mit anderen teilen, und die sich dadurch als viabel,. als vernünftig erweist. Der Dialog hat somit eine persönliche, eine soziale und eine politische Dimension. Und dennoch sind Dialoge selten.
Funkstille zwischen Eheleuten
Es wird viel geredet, wenn der Tag lang ist. Es wird viel diskutiert, belehrt und informiert. Und gleichzeitig wurde errech-net, dass Ehepartner in den USA im Durchschnitt täglich weniger als vier Minuten miteinander sprechen. In der modernen Informationsgesellschaft scheinen die Fähigkeiten einer dialogischen Gesprächsführung eher verloren zu gehen. Wie David Bohm in seinem Buch „Der Dialog - das offene Gespräch am Ende der Diskussion“ schreibt „steckt eine Menge Gewalttätigkeit in den Meinungen, die wir verteidigen. Es sind nicht lediglich Meinungen; es sind Annahmen, mit denen wir uns identifizieren und die wir verteidigen, weil es ist, als würden wir uns selbst verteidigen."
Dem Dialog geht es dagegen nicht um Positionsbehauptung oder rhetorische Eloquenz, Rechthaberei oder Durchset-zung, sondern um Verständigung. Deshalb ist es wesentlich, nicht nur gesprächsbereit zu sein, sondern auch zuhören zu können, aber auch nachzudenken, bevor man redet. Zuhören als Haltung, nicht wo kann ich widersprechen, sondern was will der andere sagen. Die Denkhaltung des Dialogs unterscheidet sich prinzipiell von der des politischen Streitgesprächs. Aus politischen Diskussionen will man als Sieger hervorgehen, man lauert darauf, den Gegner auf dem falschen Fuß zu erwischen.
Im Dialog ist man auch nicht an einem sofortigen Einverständnis interessiert, denn dann wäre das Gespräch sofort zu Ende, sondern man lässt sich anregen, erwartet Widerspruch, um das eigene Argument zu prüfen. Der Dialog ermöglicht ein Probedenken, eine heuristische Haltung. Im Dialog will niemand Recht haben, sondern alle wollen gemeinsam eine Sache klären. Im Dialog ereignet sich eine Koevolution, eine gemeinsame Entwicklung unter Wahrung der Indivi-dualität. Im Unterschied zu einer Sekte geht der einzelne nicht völlig in der Gemeinschaft auf und gibt seine kritische Urteilsfähigkeit nicht an einen Guru ab. Der Dialog erfordert kritische Partner, aber eine konstruktive, freundliche Kritik.
In den 70er Jahren wurde „kritisches Bewusstsein“ an Universitäten häufig als Kunst des gewollten Missverstehens praktiziert. Dialogfähigkeit und -bereitschaft ist nicht nur eine kommunikative Kompetenz, sondern eine Haltung, und zwar sich selbst gegenüber als Bewusstsein der eigenen Individualität, anderen gegenüber als Zeichen der Anerken-nung und schließlich der Gesellschaft, der Umwelt gegenüber. Damit rückt der Dialogbegriff in die Nähe des Bildungs-begriffs im Sinne Hartmut von Hentigs: „Die Menschen stärken und die Sachen klären.“
Dialog schafft Nähe
Der Dialogbegriff wird vorwiegend auf Zweiergespräche oder Gespräche in kleinen Gruppen bezogen. Angesichts wachsender Individualisierungs- und Pluralisierungsprozesse und damit verbundener Sprachbarrieren und Milieuunterschiede kommt dem Dialog zwischen den Generationen, zwischen den Geschlechtern, zwischen den Kulturen eine große gesellschaftspolitische Bedeutung zu. Die Sozialforschung hat deutlich gemacht, dass Ängste, Aggressionen, Vorurteile gegenüber anderen Gruppen zunehmen, je weniger Sozialkontakte möglich sind. Je weniger Gespräche zwischen der älteren und jüngeren Generation, zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen stattfinden, desto mehr Konflikte und sozialer Sprengstoff entwickeln sich. Obwohl der Dialogbegriff auch politisch in aller Munde ist - als Bürgerdialog, ökologischer Dialog, Dialog mit der Jugend, Dialog zwischen den Kulturen und Religionen - unterliegt Politik anderen Regeln und Rationalitäten. Dabei stelle ich nicht die Dialogbereitschaft einzelner Politiker in Frage, sondern ich denke an Politik als System, an die politischen Strukturen. Andererseits steht es auch um die politische Kultur der Öffentlichkeit nicht zum besten. Die vorherrschende Mentalität scheint die der permanenten Besserwisser, der terribles simplificateurs zu sein. Ulrich Beck stellt für die 90er Jahre fest: „An die Stelle des Schreckens tritt das Gleichgewicht der Nörgler - alle sind uneins mit allem und allen. "
Haben wir in der politischen Bildung der 70er Jahre mehr Kritikfähigkeit eingeklagt, so müssen wir heute angesichts der Komplexität der politischen Probleme für mehr Urteilsvorsicht plädieren, für mehr Nachdenklichkeit anstelle der radika-len Lösungen ohne Rücksicht auf unkalkulierbare Folgen und Nebenwirkungen.
In der Tat lässt sich das Dialog-Projekt als Bestandteil eines weltweiten Paradigmenwechsels betrachten. So zeichnet sich im Bildungssektor, aber auch in der Managementwissenschaft und Organisationsentwicklung, in der Psychotherapie und in Ansätzen in der Politik eine Akzentverschiebung von einem normativen zu einem interpretativen Weltbild ab. Stichworte für diese Wende der Wahrnehmung sind der Abschied von einem technologischen Machbarkeitswahn und Aufwertung von Selbstorganisation, der Abschied von dogmatischen Wahrheitsansprüchen und Anerkennung einer Pluralität von Wirklichkeitskonstruktionen und der Abschied von der Informationsgesellschaft (mit ihrer entmündigenden Informationsfülle) hin zu einer Kommunikations- und Lerngesellschaft.
Horst Siebert ist Leiter des Instituts für Erwachsenenbildung, Universität Hannover